Einführung

Schwestern vor der Marienstatue

Sein Leben auf Gott hin öffnen

Für uns Schwestern ist der Weg der Gottsuche das Fundament unseres klösterlichen Lebens. Dieser Weg ist ein Weg des Hörens. Wir versuchen im Geist des Evangeliums und der Regel des hl. Benedikt uns je neu und tiefer auf diese Grundhaltung des Hörens einzulassen: auf Gott, auf die Menschen und auf das eigene Herz.

Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens… (Prol 1)

In seiner ganzheitlichen Schau des Menschen trägt der hl. Benedikt Sorge für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Leib und Seele. Ein wichtiger Grundsatz seiner Regel ist das „rechte Maß aller Dinge“ und ein ausgewogener Rhythmus, der das Leben auf eine Weise ordnet, die für den Menschen gut und heilsam ist. So gewinnt im Alltag eine Lebensform Gestalt, in der sich liturgisches und persönliches Gebet, geistliche Lesung und unterschiedliche Formen täglicher Arbeit, aber auch Erholung und gemeinsames Feiern sinnvoll abwechseln und im Innersten eine Einheit bilden durch die Ausrichtung auf Gott, der in allem gesucht wird und gegenwärtig ist.

Die Liebe zu Christus geht ihnen über alles (Regel des hl. Benedikt 5,2)

Statio

Auf diesem Weg zu Gott gibt es Prioritäten, die von Benedikt wiederholt benannt werden. Christus sei nichts vorzuziehen und dem Gottesdienst sei nichts vorzuziehen. Um diese Mitte unseres Lebens ordnet sich der Tagesablauf. Wir versammeln uns zur Stundenliturgie zu den Laudes bei Tagesbeginn, halten dankbar inne in der Mitte des Tages zum Mittagsgebet, feiern die Vesper gegen Ende des Tages und schließen mit der Komplet und den darauf folgenden Vigilien, getragen von der Hoffnung, dass Christus uns bei Tag und Nacht begleitet. Christus ist die Mitte unseres Lebens.

Die tägliche Feier der Stundenliturgie und der Eucharistie - der hl. Messe - prägen unseren Alltag und so unser Leben und machen jeden Tag zur neuen Schöpfung, zum All-Tag. Dabei spielen die Psalmen eine grundsätzliche Rolle. In Erinnerung an die Großtaten Gottes fordern sie uns zu Lob und Dank auf. Zugleich bestechen sie durch ihre zeitlose „Menschlichkeit“; d.h. die Anliegen und Nöte, die Sehnsucht des Menschen, seine Klagen, Bitten und Freuden finden hier einen Ausdruck, den wir auch für uns und unsere Zeit übertragen und vor Gott bringen dürfen.

Dem gregorianischen Choral kommt in unserer Tradition eine große Bedeutung zu, und so ist uns der Gesang des Chorals ein besonderes Anliegen. Aufgrund seiner herben Schönheit und tiefen geistlichen Aussagekraft ist er von bleibendem, hohem Rang.

Die Feier der Liturgie bildet so unsere Lebensmitte. Sie prägt unsere Gemeinschaft und unser tägliches Leben.

Begegnung und Gespräch Aber nicht nur in der Liturgie, im Gebet, in der Lesung, in der Stille suchen und begegnen wir Christus, sondern Benedikt betont mit Nachdruck, dass uns in jedem Menschen Christus begegnet; so im Mitbruder, der Mitschwester, ganz besonders auch in den Kranken und den Gästen. Der Gastfreundschaft gibt er damit eine tiefe menschenfreundliche und geistliche Bedeutung. In jeder Situation, in jedem Menschen, der uns begegnet, ist Gott gegenwärtig!

Auch unsere Gemeinschaft versucht sich für alle Gäste zu öffnen, die mit je unterschiedlichen Anliegen zu uns kommen; ob für eine kurze oder längere Zeit, für ein Gespräch oder Einkehrtage und Exerzitien.

So bleiben wir zusammen unterwegs; auf dem Weg zu Gott, getragen von der Hoffnung, dass uns Gottes begleitende Gnade stets zuvorkommt und begleitet,

damit in allem Gott verherrlicht werde (Regel des hl. Benedikt 57,9).