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Mein Leben defragmentieren lassen...

Um mein Computersystem wieder flott zu kriegen, helfen mir Tuning Tools.
Wie gehe ich mit dem um, was Herz und Leib, mein inneres System müde und träge macht?

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Weihnachtssegen

In den Tagen des neuen Jahres Gottes Segen wünschen Ihnen Ihre Schwestern von Marienrode!

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Gedanken über Gottesdienste in Corona-Zeiten

Seit Mitte Mai ist es wieder in vielen Kirchen - so auch in St Michael/ Marienrode- möglich, an der Eucharistiefeier teilzunehmen, wenn auch mit vorheriger Anmeldung, die sicherstellen soll, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher insofern begrenzt sein sollte, als es die notwendigen Abstandsregeln in Zeiten von Corona erfordern........

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Auf-er-stehung...

Stehen wir also endlich einmal auf! (Prolog zur Benediktsregel)

Auf-er-stehung

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

(Marie Luise Kaschnitz)

Osterapsis

Auferstehung hat immer etwas Überraschendes an sich. Sie ist nicht plan- und machbar, auch nicht wenn die besten Voraussetzungen geschaffen werden.
Unsere dunklen und schmerzlichen Erfahrungen werden nicht einfach ungeschehen gemacht, und wir werden nicht einfach in einen früheren ungetrübten Zustand zurückversetzt, der uns unbelastet erscheint.
Wir haben Verluste erlitten. Unsere Ansichten über uns selbst und über die Welt sind ins Wanken geraten. Himmel und Erde sind erschüttert.
Das ist die Ausgangssituation, in der wir – manchmal – aufstehen. Ganz wir selbst, mit unseren Fragen, Klagen und Zweifeln, die zumindest einen Teil unserer Wirklichkeit ausmachen.
Wie bei den Emmaus-Jüngern ist vielleicht jemand da, der uns mit seiner Präsenz, und mit seinem Mitgehen hilft, unsere Enttäuschung, unsere Mut- und Ratlosigkeit ins Wort zu bringen: Wir aber hatten gehofft…

Wo das geschieht, kann wieder Raum zum Leben und Atmen entstehen, wir spüren uns von Kopf bis Fuß, mit Haut und Haaren. Da kann es geschehen, dass wir in unserem neuen Bewusst-Sein aufstehen – ohne große Vorbereitung einfach aufstehen.

Nicht in eine Traumwelt hinein, nicht in eine Illusion, die uns aus der Mühsal des Alltags entrückt und uns eine zeitlose Harmonie vorgaukelt. Vielleicht sehen wir um uns herum trotzdem die Schutzmasken in den Gesichtern, die Abstands- und Hygieneregeln werden weiter eingeschärft, und auch die Leichtfertigen gibt es weiter, die nicht bereit sind, auf irgendjemand Rücksicht zu nehmen.
Nur das Gewohnte ist um uns, keine Fata Morgana… Man kann es auch so sehen, dass wir nicht in Gefahr sind, einer Luftspiegelung zu verfallen…

Unsere endliche Zeit vergeht weiter, die Leuchtzeiger zeigen es auch im Dunkeln noch an.
Und wir selbst bleiben mit Haut und Haaren wir selbst, nicht idealer als vorher.

Und dennoch! Dieses Dennoch verändert alles von Grund auf und rückt es in ein ganz neues Licht.
Es lässt sich nicht in exakte Sätze einfangen und festzurren, nur in Andeutungen annäherungsweise beschreiben.
Es ist ein Zustand, der uns entgegenkommt, der uns widerfährt, und doch entzogen bleibt, nicht beliebig reproduzier- und verfügbar.
Alles ist leicht und stimmig – wir sind offen für das Ganze und erfassen, wie ein Jegliches sich an seinem Platz zum andern fügt und dazu gehört.
Es ist die Vorwegnahme eines endgültigen Ankommens, eines Zu-Hause-Seins, einer unbesiegbaren Lichtwirklichkeit.

Es gibt keine festgesetzten Termine, aus jeder Zeit heraus können wir aufstehen, mitten am Tage, mitten im Alltag, auch mitten im Pandemie-Alltag.

Wie kann das geschehen? Und was können wir tun?
Unser Ordensvater, der heilige Benedikt, spricht im Prolog seiner Regel von dem Wunsch und Willen, Christus in die Herrlichkeit hinein zu folgen.
Und er zieht die Konsequenz: Stehen wir also endlich einmal auf. Die Schrift sagt uns: Öffnen wir unsere Augen dem göttlichen Licht und hören wir mit aufgeschreckten Ohren, was die Stimme Gottes uns zuruft. Jeden Tag erinnert sie uns: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht!
Auferstehung können wir nicht planen und nicht machen, aber wir können versuchen, uns dafür zu bereit zu halten, dafür wach zu werden, uns mit allen Sinnen auf unsere Gegenwart einzulassen, ohne uns zu panzern – offen für den Anruf Gottes. Dann kann es geschehen, dass uns Auferstehung geschenkt wird.

Und das wünsche ich uns allen, dass Heute in unserem Leben, mitten am Tag, an irgendeiner Ecke unseres Alltags oder Festtags Ostern durchbricht.

Klosterkirche St. MichaelFenster im Morgenlicht


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